Yachtcharter auf der Ostsee - Ein unvergesslicher Urlaub

~ Gastbeitrag von Tatjana ~


Seit ein paar Jahren fahren wir mit unseren Freunden gemeinsam zum Segeln. Im letzten Jahr haben wir uns dann für einen Segeltörn in der Ostsee entschieden, es sollte in Richtung Baltikum gehen. Entschieden haben wir uns dann für Estland. Im Juni sollte es dann eine Woche über die estnische Ostsee gehen und wir hatten keine Ahnung, was da eigentlich auf uns zukommen. Was wir aber schon einmal über den Törn verraten können ist: Estland ist unglaublich vielfältig und die gesamte Region hat uns in ihren Bann gezogen.

 

Tallinn: mittelalterliche Perle Estlands

Start unseres Segeltörns über die Ostsee sollte Tallinn sein, die Hauptstadt Estlands. Der nördlichste der baltischen Staaten grenzt an Russland, was bei uns während der Planungsphase Fragen aufwarf. Irgendwie dachten wir im ersten Moment sehr klischeehaft an Plattenbauten, Bürokratie und Tristesse. Doch Tallinn konnte uns diese Vorstellung schnell aus den Köpfen treiben, was unser Besuch dieser unglaublich vielfältigen Stadt nur bestätigt. Tallinn ist jung, weltoffen und modern. Die Stadt scheint so, als hätte sie sich für Ihre Besucher herausgeputzt – und doch ist das eben einfach Alltag dort. Das Nachtleben ist spektakulär, überall gibt es Internet und hippe Cafés. Auch die Marina von Tallinn ist überzeugend: Der moderne Yachthafen hat alles, was einen Aufenthalt angenehm macht. Dazu gehören nicht nur Schwimmstege, sondern auch Sauna, Restaurant, Supermarkt und WLAN.

 

Tallinn selbst fühlt sich beinahe an wie ein riesiges Freilichtmuseum. Nicht umsonst gehört die Stadt zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das gesamte Stadtbild ist geprägt von seinen mittelalterlichen Strukturen: In der Unterstadt herrschen enge Gassen vor, die Oberstadt ist geprägt von den Adelshäusern und dem Domschloss. Die Fülle der Stadt ist so gewaltig, dass wir noch vor Ort beschlossen haben, hier noch einmal zurückzukehren, um die Stadt besser kennenzulernen.

 

Tipps: Natürlich haben wir in Tallin auch einige Spots, die uns besonders gefallen haben, dazu gehören zum Beispiel:

 

  1. Der Domberg
  2. Die Alexander-Newski Kathedrale
  3. Balti Jaam Markt
  4. Telliskivi Creative City
  5. Altstadt
  6. Eine Fahrt im autonomen Bus

Von der Metropole in die Einsamkeit: Tallinn – Lohusalu

Beeindruckt von Tallinn waren wir natürlich neugierig, wie sich Estland von seiner ländlichen Seite zeigt. Wir werden nicht enttäuscht: Auf unserem Weg von Tallinn bis nach Lohusalu empfängt uns ein abwechslungsreiches Segelrevier. Hier gibt es nur wenige Häfen, die Natur überwiegt und zeigt sich meist von ihrer unberührten Seite. Wetter und Wind sind uns gewogen und wir kommen bald in Lohusalu an. Der Hafen empfängt uns in einer idyllischen von Nadelbäumen gesäumten Bucht. Ein krasser Gegensatz zum quirligen Tallinn, denn hier herrscht vor allem eines vor: Stille. Fast andächtig sitzen wir an Deck und lassen diese Einsamkeit auf uns wirken. 

 

Lohusalu selbst ist etwa einen Kilometer vom Hafen entfernt, dennoch gibt es hier alles, was wir benötigen. Die Hafenmeisterei ist rund um die Uhr geöffnet, es gibt moderne und saubere Sanitäranlagen und – was in Estland wirklich nirgends fehlen darf – eine Sauna. Darüber hinaus gibt es eine Tankstelle, einen Supermarkt, Leihfahrräder sowie Strom und Wasser. 

 

Ursprünglich und einfach: Stop in Dirhami

Was einen Segeltörn auf der baltischen Ostsee so besonders macht, ist gar nicht unbedingt die Zeit auf See. Natürlich genießen wir es, wenn uns die frische Brise um die Nase weht und auch, wenn wir gefordert werden. Aber hier, im Baltikum, freuen wir uns immer wieder auf die neuen Ziele, die uns an Land erwarten. So auch Dirhami, das am nordwestlichen Zipfel des estländischen Festlands liegt. Hier ist alles noch ein wenig ursprünglicher und einfacher als in Lohusalu, aber genau das macht den Reiz hier aus. Der naturbelassene Strand mit dem Dünengras und dem dichten Kiefernwald lässt Raum für die eigene Phantasie. Überall liegen Findlinge aus der Eiszeit und wir genießen die Abgeschiedenheit hier sehr, bevor uns der Hunger zurück zum Schiff treibt.

 

Dorthin kommen wir allerdings nicht, wir werden jäh am Hafenkiosk gestoppt, hier riecht es wunderbar. Spontan entscheiden wir uns, das Essen zu probieren und werden positiv überrascht. Das Essen ist frisch zubereitet und hat nichts mit Imbiss zu tun, sondern vielmehr mit einem guten Restaurant. Den Abend lassen wir so glücklich und mit einem hervorragenden Mahl ausklingen, bevor wir uns in unsere Kojen kuscheln und gespannt darauf sind, was der nächste Tag für uns bereithält.

 

Ahoi Hiiumaa!

Wo wir von fordernden Gewässern gesprochen haben: Die finden wir rund um die Inseln Hiiumaa und Saaremaa. Vorsichtig umschiffen wir dort alle Flachstellen, Findlinge oder kleinen Inseln, die glücklicherweise alle sehr gut gekennzeichnet sind und erreichen gegen Abend Orjaku auf Hiiumaa. Was uns die ganze Zeit schon unterschwellig begleitet hat, fällt uns hier nun ins Auge: Im Vergleich zu manch anderem Segelrevier gibt es hier wenige Boote, die meisten – wie unseres – sind gechartert. Wir kommen am Abend mit einem Einheimischen ins Gespräch und der verrät uns, dass Segeln bis Anfang der 1990er Jahre in Estland gar nicht erlaubt war und es aus diesem Grund kaum Boote hier gibt. Für die Esten sei das Segeln immer noch irgendwie elitär.  

 

Hiiumaa erkunden wir am nächsten Tag und sind beeindruckt. Hier gibt es atemberaubende Strände, schöne Häfen, alte Windmühlen und was uns besonders begeistert: einen alten Leuchtturm. Er gehört zu den ältesten noch in Betrieb stehenden Leuchttürmen der Welt. Kein Wunder, dass man hier sehr stolz darauf ist und der Turm als Wahrzeichen der Insel gilt. 

 

Saaremaa: Ostblock-Romantik vs. mondäner Kurort

Orisaare auf Saaremaa ist von Hiiumaa aus nur wenige Seemeilen entfernt. Hier erwartet uns noch doch ein Hauch von Ostblock-Romantik und das verfallene Lagerhaus am Hafen lässt meine Begeisterung für Lost Places aufleben. Doch der erste Eindruck wird schnell gemildert, an den Ufern von Saaremaa wächst grünes Schilf und die Inselidylle ist auch hier spürbar. Der Hafenmeister begrüßt uns und wir erfahren, dass er zugleich nicht nur Lehrer ist, sondern auch noch die Hafenkneipe in den Sommerferien bewirtschaftet. Für den nächsten Tag verspricht er uns, einen Freund vorbeizuschicken, der uns die Insel zeigt. Mit ihm fahren wir nach Kuivastu und Simisti, in Koguva entdecken wir ein süßes Café, in dem wir die Seele baumeln lassen. 

 

Zuletzt machen wir uns auf nach Kuressaare im Süden der Insel. Die Stadt ist nicht nur Zentrum für den Yachttourismus auf Saaremaa. Die Burg ist eine der am besten erhaltenen Befestigungsanlagen Estlands und einfach spektakulär. Der Aufschwung ist hier spürbar, die Stadt erweckt nach und nach ihre Tradition als Kurstadt wieder und überall werden Kur- und Wellnessbehandlungen angepriesen. Ein Spaziergang an den Küstenwanderwegen lohnt sich und ist mindestens genauso erholsam. 

 

Das Ende eines unvergesslichen Törns auf der Ostsee: Haapsalu

Mit Haapsalu erreichen wir das Ende unseres Segeltörns durch die baltische Ostsee. Als wir anlegen, befinden wir uns alle in einem Zwischenstadium. Es ist eine Mischung aus Begeisterung über das Erlebte und Wehmut über den baldigen Abschied von einer unglaublichen Region, die uns auf unterschiedlichen Ebenen so viel gegeben hat und das wir mit uns nach Hause nehmen. So stürzen wir uns in Haapsalu noch einmal in das estnische Leben und genießen den Besuch von Galerien und Museen, die leckeren Snacks und den Kaffee in den liebevoll eingerichteten Cafés und lassen uns vom Kursaal beeindrucken.

 

Estland hat uns ergriffen: Nicht nur landschaftlich oder kulturell, sondern im Ganzen. Es sind insbesondere die Menschen und Ihre Mentalität, auf die wir in unserem Bericht viel zu wenig eingehen konnten. Aber: Überall wurden wir mit offenen Armen willkommen geheißen, uns Neugier, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft entgegengebracht. Eine Woche war für diese Fülle einfach zu wenig und wir sind uns sicher: Wir werden noch einmal einen Segeltörn in dieser Region erleben. 

 

 Über die Autorin: Ich bin Tatjana und schreibe jetzt seit 2015 den Blog meintriathlon.de. Seit letztem Jahr schreibe ich auf tanjas-ratgeber.de über die verschiedensten Dinge. Ich brauchte noch einen zweiten Blog um auch mal über andere Dinge zu schreiben. Gerade weil ich seit zwei Jahren Mutter bin und der Sport doch etwas zu kurz kommt.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0